Wer eine alte Wohnung kauft oder ein Haus von Grund auf modernisieren möchte, kommt fast immer am gleichen Punkt an: Bevor irgendetwas Neues entstehen kann, muss erstmal das Alte raus. Diese Arbeit nennt sich Entkernung. Sie ist die schmutzigste, lauteste und in vielen Fällen am stärksten unterschätzte Phase eines Sanierungsprojekts. Die Frage, was eine Entkernung kostet, ist deshalb oft die erste, die uns Eigentümer in Bremen stellen.
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen aus unserer Praxis, mit welchen Kosten Sie bei einer Entkernung realistisch rechnen müssen. Wir gehen darauf ein, was alles dazu gehört, welche Faktoren den Preis beeinflussen und welche Fehler in der Planung wir am häufigsten sehen. Wir konzentrieren uns dabei klar auf die Entkernung selbst. Wer mehr zu den Folgekosten wissen will, schaut in unseren Artikel zu Kernsanierung Haus Kosten.
Wohnung entkernen Kosten im Überblick
Die Kosten für eine Entkernung liegen je nach Umfang und Aufwand in einem klaren Rahmen. Hier eine realistische Orientierung für Bremen und Umgebung:
| Art der Entkernung | Kosten pro m² (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|
| Teilentkernung (nur einzelne Bereiche, z. B. Bad) | 40 bis 80 Euro | Punktueller Rückbau, geringerer Aufwand |
| Wohnung komplett entkernen | 80 bis 160 Euro | Alle nicht tragenden Elemente raus |
| Haus komplett entkernen (mit Böden, Decken) | 100 bis 200 Euro | Aufwendiger, mehr Material |
| Entkernung mit Schadstoffsanierung | 150 bis 300 Euro | Asbest, KMF, PCB, Bleirohre etc. |
| Entkernung mit teilweisem Mauerwerksrueckbau | 120 bis 220 Euro | Wenn nicht tragende Wände entfernt werden |
Wichtige Einordnung der Preise
- Die Preise sind Orientierungswerte für Bremen und Umgebung, inklusive Arbeitsleistung, Containermiete und Entsorgung üblicher Bauabfälle.
- Die Spannen sind groß, weil jede Wohnung anders ist. Tatsächliche Kosten ergeben sich erst nach einer Vor-Ort-Besichtigung.
- Schadstoffe wie Asbest können die Kosten spürbar erhöhen, weil eine Sanierung durch Fachbetriebe nach besonderen Vorschriften nötig ist.
Was gehört eigentlich zu einer Entkernung?

Eine vollständige Entkernung umfasst weit mehr als nur Wegwerfen. Folgende Arbeiten gehören in der Regel dazu:
- Bodenbeläge entfernen: Teppich, PVC, Laminat, Parkett, Fliesen oder alte Estriche werden bis zum Rohboden zurückgebaut.
- Wandbeläge entfernen: Tapeten, Fliesen, alte Vertäfelungen, Wandputz wo nötig.
- Decken zurückbauen: Abgehängte Decken, alte Verkleidungen, marode Putzschichten werden entfernt.
- Sanitärobjekte demontieren: WC, Waschbecken, Badewanne, Dusche, Armaturen.
- Innentüren ausbauen: Türzargen und Türblätter werden entfernt.
- Alte Elektroinstallationen: Schalter, Steckdosen, Verteilung, Leitungen, soweit erneuerungsbedürftig.
- Alte Sanitärinstallationen: Wasser- und Abwasserleitungen, Heizkörper, Heizungsleitungen.
- Nicht tragende Wände: Trockenbau- oder Mauerwerkwände, sofern für den neuen Grundriss nötig.
- Einbauten: Küchen, Schränke, Vertäfelungen, Heizkörperverkleidungen.
- Bauschutt entsorgen: Container stellen, sortieren, fachgerecht entsorgen.
Was nicht zu einer normalen Entkernung gehört: Tragende Wände, Geschossdecken, statisch wirksame Bauteile, die Außenfassade. Diese werden nur mit Statiker und besonderer Planung angefasst.
Was beeinflusst die Entkernungskosten?

1. Umfang der Entkernung
Eine Teilentkernung (nur Bad oder Küche) ist deutlich günstiger als eine komplette Entkernung der ganzen Wohnung. Je weniger Bauteile bleiben sollen, desto mehr Arbeit und desto mehr Material muss entsorgt werden.
2. Bauschutt-Menge und Entsorgung
Die Entsorgung ist ein erheblicher Kostenfaktor. Je mehr Material anfaellt, desto mehr Container müssen gestellt und abgefahren werden. Sortenreine Trennung kann die Entsorgungskosten reduzieren.
3. Schadstoffe in der Bausubstanz
Asbest in alten Bodenklebern, Vinyl-Asbestplatten, alte Mineralfaserdämmstoffe (KMF), PCB in Fugendichtungen oder Bleirohre müssen von Fachbetrieben mit besonderen Schutzmassnahmen entfernt werden. Das kann die Kosten verdoppeln oder verdreifachen.
4. Zugaenglichkeit der Wohnung
Eine Erdgeschosswohnung mit Hofzugang ist einfacher zu entkernen als eine Wohnung im 4. Stock ohne Aufzug. Schmale Treppenhäuser, fehlende Aufzüge und enge Balkone erhöhen den Aufwand spürbar.
5. Arbeit von Hand vs. Maschine
In großen Räumen mit guter Zugänglichkeit kann ein Minibagger eingesetzt werden. In kleinen Wohnungen muss meist alles von Hand abgebrochen werden, was deutlich aufwändiger ist.
6. Berücksichtigung von Nachbarn
In Mehrfamilienhäusern müssen Rücksicht und Arbeitszeiten beachtet werden. Bei lauten Arbeiten ist das oft eine Herausforderung. Manchmal sind Kompromisse nötig, die den Bauablauf verlängern.
Beispielrechnung: Komplette Wohnungsentkernung
Eine typische Bremer Altbauwohnung von 80 m² soll vor einer Sanierung komplett entkernt werden. Bad, Küche, Böden, alte Sanitär- und Elektroinstallationen werden zurückgebaut, einige nicht tragende Wände entfernt:
| Position | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Demontage Bad und WC | 800 bis 1.500 Euro |
| Küche ausbauen | 300 bis 600 Euro |
| Alte Bodenbeläge entfernen (80 m²) | 800 bis 1.600 Euro |
| Alte Wandbeläge / Tapeten | 600 bis 1.200 Euro |
| Sanitär- und Elektroinstallation zurückbauen | 700 bis 1.400 Euro |
| Nicht tragende Wände abbrechen | 500 bis 1.200 Euro |
| Innentüren ausbauen | 200 bis 500 Euro |
| Container, Entsorgung, Transport | 1.500 bis 3.000 Euro |
| Reinigung und Besenrein-Übergabe | 300 bis 600 Euro |
| Gesamt | 5.700 bis 11.600 Euro |
Das entspricht einem Quadratmeterpreis von etwa 70 bis 145 Euro für eine durchschnittliche Bremer Altbauwohnung. Bei Schadstoffvorkommen oder besonderem Aufwand liegt der Preis am oberen Ende oder darüber.
Schadstoffe: Der unsichtbare Kostentreiber
Bei Bestandsimmobilien aus den 1960er bis 1980er Jahren ist das Risiko von Schadstoffen erhöht. Wer sie nicht erkennt und einfach abbricht, riskiert nicht nur Bussgelder, sondern auch erhebliche Gesundheitsschäden. Die wichtigsten kritischen Stoffe:
| Schadstoff | Vorkommen (typisch) | Was tun? |
|---|---|---|
| Asbest | Vinyl-Asbestplatten, Bodenkleber, Wand- und Deckenplatten, Außendachpfannen | Fachbetrieb für Asbestsanierung, getrennte Entsorgung |
| Künstliche Mineralfaser (KMF) | Alte Dämmstoffe vor 1996 | Sanierung mit Atemschutz und besonderem Verfahren |
| PCB | Dichtungsmassen, Anstriche, Fugen | Probe entnehmen, Speziell entsorgen |
| Bleirohre | Wasserleitungen in Altbauten | Komplett austauschen |
| PAK / Teer | Alte Korkplatten, Klebstoffe, Anstriche | Fachbetrieb, Atemschutz |
| Schimmel | Feuchte Ecken, Holzbalken, Tapeten | Ursache beheben, befallene Bereiche entfernen |
Praxistipp aus Bremen
- Bevor Sie mit der Entkernung beginnen, lassen Sie die Wohnung auf Schadstoffe prüfen. Eine Probe kostet wenige hundert Euro und kann später mehrere tausend Euro sparen.
- In Bremer Altbauten der 60er und 70er Jahre finden wir häufig Asbest in Bodenklebern unter alten PVC-Belägen. Das ist ein typisches und unsichtbares Problem, das vor dem Abbruch bekannt sein muss.
Container und Entsorgung: Was Sie wissen sollten

Die Container- und Entsorgungskosten sind oft ein größerer Anteil als gedacht. Bei einer 80 m² Wohnung kommen schnell 2 bis 4 Container Bauschutt zusammen. Die Preise schwanken je nach Material:
| Material | Kosten pro Container (ca. 7 m³) |
|---|---|
| Reiner Bauschutt (Mauerwerk, Beton, Fliesen) | 250 bis 500 Euro |
| Gemischter Bauschutt | 400 bis 800 Euro |
| Sperrmüll | 300 bis 700 Euro |
| Holz unbehandelt | 300 bis 600 Euro |
| Schadstoffhaltige Abfälle (Asbest, KMF) | 800 bis 2.000 Euro |
Wer Material sortenrein trennt, spart deutlich. Vermischter Bauschutt mit Tapetenresten, Holz und Plastik wird fast immer teurer entsorgt als sauberer Mauerwerksabraum. Wir achten bei jeder Entkernung auf saubere Trennung, weil das die Gesamtkosten spürbar reduziert.
Wie läuft eine Entkernung in der Praxis ab?
- Vor-Ort-Besichtigung: Wir schauen uns die Wohnung oder das Haus an, klären mit Ihnen den Umfang und prüfen sichtbare Schadstoffrisiken.
- Schadstoffprüfung: Bei Verdacht werden Proben entnommen und im Labor analysiert.
- Angebot: Sie erhalten ein transparentes Angebot mit allen Positionen, inklusive Container und Entsorgung.
- Vorbereitung: Bauschutzfolie, Schutz von verbleibenden Bauteilen, Container bestellen.
- Demontage: Sanitär, Elektrik, Innenausstattung, Bodenbeläge, Wandbeläge werden in geordneter Reihenfolge zurückgebaut.
- Schutt sortieren: Material wird getrennt und in passende Container geladen.
- Rückbau nicht tragender Wände: Falls geplant, werden Wände abgebrochen.
- Reinigung: Die Wohnung wird besenrein übergeben, bereit für die nächste Bauphase.
- Entsorgungsnachweis: Sie erhalten eine Dokumentation der Entsorgung.
In der Regel folgt nach der Entkernung der Aufbau gemäß der richtigen Reihenfolge bei einer Haussanierung. Die Entkernung ist die zweite Phase nach der Planung.
Typische Fehler bei der Entkernung
Schadstoffe ignoriert
Wer einfach drauflos abbricht und auf Asbest oder KMF stößt, hat ein doppeltes Problem: Gesundheitsrisiko und teure Nachsanierung. Schadstoffprüfung vorher ist Pflicht, kein Nice-to-have.
Tragende Wand unterschätzt
Nicht jede Wand, die wie ein Trennwand aussieht, ist auch eine. Wer eine tragende Wand entfernt, riskiert massive Schäden bis hin zur Einsturzgefahr. Vor jedem Wandabbruch gehört eine statische Prüfung.
Entsorgungskosten unterschätzt
Containerkosten machen schnell 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Wer sie nicht von Anfang an kalkuliert, hat eine spürbare Lücke im Budget.
Rückbau zu früh
Mancher Eigentümer entkernt eine Wohnung Monate vor dem Sanierungsstart. Das hat den Nachteil, dass die freigelegten Bauteile (Estriche, Rohleitungen, Mauerwerk) Feuchtigkeit ziehen und sich verschlechtern. Idealerweise folgt die Entkernung direkt vor der eigentlichen Sanierung.
Ohne Plan abreissen
Was raus muss, hängt vom späteren Zustand ab. Wer keinen Plan für das Endergebnis hat und einfach alles abreisst, entfernt manchmal Dinge, die er später aufwendig wieder herstellen muss. Erst Plan, dann Abbruch.
Nachbarn nicht informiert
In Mehrfamilienhäusern sind Entkernungen laut und schmutzig. Wer die Nachbarn nicht informiert, riskiert Ärger und Beschwerden. Ein kurzes Hinweisschreiben ein paar Tage vorher ist gute Praxis.
Wann lohnt sich eine vollständige Entkernung?
Eine komplette Entkernung ist nicht immer notwendig. Wir empfehlen sie in folgenden Fällen:
- Sie haben eine Immobilie aus den 1950er bis 1980er Jahren gekauft und wollen sie zeitgemäß modernisieren.
- Die alten Installationen (Elektro, Sanitär, Heizung) entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand und müssen ohnehin komplett erneuert werden.
- Der Grundriss soll spürbar geändert werden, weil die alte Aufteilung nicht mehr passt.
- Sie planen eine energetische Sanierung mit Innendämmung, neuer Lüftung oder Fußbodenheizung.
- Die Bausubstanz hat versteckte Schäden (Feuchtigkeit, Schimmel, Holzwurm), die nur durch Rückbau sichtbar werden.
- Sie planen ohnehin eine umfassende Sanierung im Sinne einer Altbausanierung.
Wenn nur einzelne Bereiche modernisiert werden sollen, ist eine Teilentkernung oft die wirtschaftlichere Wahl. Wir beraten Sie ehrlich, was wirklich nötig ist.
Entkernung im Rahmen einer Sanierung aus einer Hand
Wenn Sie ohnehin eine umfassende Sanierung planen, lohnt sich meist die Beauftragung des Entkernungsschritts gleich beim Sanierungsbetrieb. Die Vorteile:
- Ein Ansprechpartner für Entkernung und alle Folgegewerke
- Saubere Übergabe ohne Schnittstellenprobleme zwischen Firmen
- Bessere Koordination zwischen Rückbau und Aufbau
- Eine durchgängige Bauleitung von Anfang bis Ende
- Effizientere Container-Logistik für das ganze Projekt
Bei einer Sanierung aus einer Hand ist die Entkernung der erste praktische Schritt nach der Planung. Sie wird mit den Folgegewerken abgestimmt, damit der Bauablauf reibungslos und ohne Wartezeiten läuft.
Häufig gestellte Fragen zu Wohnung entkernen Kosten
Was kostet es, eine Wohnung entkernen zu lassen?
Eine vollständige Entkernung einer Wohnung kostet je nach Umfang etwa 80 bis 160 Euro pro Quadratmeter. Für eine 80 m² Wohnung liegen die Gesamtkosten bei 5.700 bis 11.600 Euro inklusive Entsorgung. Bei Schadstoffvorkommen oder besonderen Bedingungen kann es deutlich teurer werden.
Wie lange dauert eine Entkernung?
Für eine 80 m² Wohnung sollten Sie etwa 5 bis 10 Werktage einplanen, je nach Umfang und Anzahl der Helfer. Schadstoffsanierung verlängert die Bauzeit deutlich, weil besondere Schutzmassnahmen nötig sind.
Was gehört alles zu einer Entkernung?
Bodenbeläge, Wandbeläge, Sanitärobjekte, alte Installationen (Elektro, Wasser, Heizung), Innentüren, abgehängte Decken, Einbauten und nicht tragende Wände. Tragende Bauteile, die Außenfassade und das Dach sind nicht Teil einer normalen Entkernung.
Brauche ich eine Genehmigung für eine Entkernung?
Für die reine Entkernung in der Regel nicht. Wenn jedoch tragende Wände betroffen sind oder der Grundriss baurechtlich relevant geändert wird, kann eine Baugenehmigung nötig sein. In Eigentumswohnungen muss die Eigentümergemeinschaft bei strukturellen Eingriffen zustimmen.
Was ist mit Schadstoffen wie Asbest?
Asbest und andere Schadstoffe dürfen nur durch Fachbetriebe mit besonderen Schutzmaßnahmen entfernt werden. Bei Verdacht auf Schadstoffe wird vor dem Abbruch eine Probe entnommen und im Labor analysiert. Die Schadstoffsanierung kann die Entkernungskosten erheblich erhöhen, ist aber zwingend erforderlich.
Kann ich die Entkernung selbst machen?
Bei sehr einfachen Arbeiten und kleinen Bereichen ist Eigenleistung möglich. Wir raten allerdings davon ab, sobald Schadstoffe im Spiel sind, tragende Bauteile betroffen sind oder größere Mengen Bauschutt anfallen. Containerlogistik, Entsorgung und Sicherheit sind in Eigenleistung schwer zu beherrschen.
Wann sollte die Entkernung im Bauablauf stattfinden?
Direkt vor dem eigentlichen Aufbau, also nach der Planung und vor den ersten Rohbauarbeiten. Eine zu frühe Entkernung führt dazu, dass die freigelegten Bauteile Schaden nehmen können. Idealerweise plant man die Entkernung als ersten praktischen Schritt der Sanierung.
